Als Kind bin ich schon gerne gewandert. Dann als Jugendlicher und später als Erwachsener habe ich aber fast keinen Sport mehr gemacht. Nach meiner Lehre zum Feinmechaniker ging ich als Berufssoldat zur Luftwaffe.
Meine Frau und ich lebten an verschiedenen Orten
in Deutschland und auch fast sechs Jahre lang in Portugal.
Nach Beendigung meiner Dienstzeit begann ich mit dem (Langstrecken) Wandern.
So begann es
Im Jahre 2006 habe ich das Buch „Ich bin dann mal weg“ gelesen. Ich war vom Inhalt nicht so sehr begeistert, aber von der Idee, diesen Weg auch einmal zu gehen. Da meine Frau merkte, dass ich mich sehr dafür interessierte, kaufte sie mir den Pilgerführer " Camino Frances". Ich las auch sehr viel im Internet. Ende 2008, ich war bis dahin schon öfter 15 bis 20 km gelaufen, kaufte ich mir einen Rucksack. Schön groß (75 l) und mit zusätzlich ca. 15 kg Sand beladen, wollte ich jetzt testen, ob ich 20 km mit Gepäck laufen konnte. Also ging es los und ich schaffte die 20 km tatsächlich, hatte aber doch arge Probleme mit dem Rücken und den Beinen. Also befürchtete ich, dass ich es wohl nicht schaffen würde, den ganzen Jakobsweg zu gehen. Der Rucksack wurde geleert und auf dem Dachboden verstaut. Das war es erst einmal...
Im September 2009, der Gedanke an den Weg ließ mich nicht mehr los, sagte meine Frau: „Wenn Du gerne willst, dann geh doch den Weg, wenn nicht jetzt, wann dann?".
Jetzt begann das Abenteuer Jakobsweg mit der Planung und dem Training
Ein Jahr später ging es dann los.
Seit 2010 bin ich immer wieder auf den Jakobswegen in Spanien und Portugal aber auch in Deutschland unterwegs.
Ich bin alle Wege komplett an einem Stück gegangen.
Der Jakobsweg (Camino de Santiago) ist nicht ein Weg, sondern ein Netz von Wegen in Europa, die alle das gleich Ziel, die Kathedrale in Santiago de Compostela haben.
Jakobswege in Europa
Als erstes bin ich 2010 den Camino Frances ab St. Jean Pied de Port (Frankreich) und im Anschluss den Camino Finisterre gepilgert. Dann 2012 den Camino Portugues ab dem Atlantik (Algarve). Es folgte 2013 der Camino Via de la Plata ab Sevilla, danach 2014 der Camino del Norte (Küstenweg) ab Irun. Im Jahre 2015 ging ich dann meinen längsten Jakobsweg, den Camino de Levante. Einmal diagonal durch Spanien von Valencia bis Santiago und weiter nach Finesterre. Dann ging es 2016 mit dem Camino San Salvador, Camino Primitivo und Camino Ingles, ins Gebirge. 2017 bin ich mit dem Camino Lebaniego / Vadiniense / Reconquista / Routa del Cares und Camino Invierno erneut Gebirgs-Caminos gegangen. Nach diesen Caminos ging ich noch den Camino Muxia und Finisterre ans Meer. 2018 folgte der Camino de Madrid sowie der Camino Frances bis Santiago und weiter bis nach Finisterre. Hierbei überwand ich mit 1796 m , den höchsten Pass (bei Schneehöhen stellenweise bis zu 1,50 m) all meiner bisherigen Caminos. Damit war ich in dem Jahr der erste Pilger, der den Weg über diesen Pass gegangen war. Stolz bin ich darauf allerdings nicht.
2019 pilgerte ich den Camino del Ebro. Dieser Weg begann am Ebro Delta (Mittelmeer, in der Nähe von
Tortosa) und endete nach ca. 450 km (in Logrono) am Camino Frances. Von Logrono bin ich mit dem Bus ins ca. 380 km entfernte Leon gefahren, um dort den ca. 150 km langen Camino San Salvador und anschließend den 340 km langen Camimo Primitivo (beide Wege bin ich bereits schon 2016 gegangen) zu pilgern.
Nach meiner Ankunft in Santiago ging ich noch 100 km weiter nach Finisterre.
Eigentlich wollte ich 2020 keinen weiteren Weg gehen. Aber nach ein paar Monaten war die Sehnsucht doch wieder groß und so entschied ich den Camino Mozarabe zu pilgern. Der Weg beginnt in Granada und führt zunächst ins 135 km entfernte Baena. Von dort geht es weiter über Cordoba nach Merida (440 km). Von Merida bis Zamora (Via de la Plata) werde ich den Bus nehmen, da ich diesen Weg schon 2013 gepilgert bin. Ab Zamora geht es dann über Sanabres und Orense nach Santiago (380 km). Den Weg konnte ich aufgrund der Corona Pandemie 2020 nicht gehen. Im Oktober 2021 war es aber unter Corona Bedingen möglich.
Nach meiner Rückkehr wollte ich sofort einen weiteren Weg gehen. Da der Camino Lusitana in Ost-Portugal schon lange in meinem Kopf herum geistert, beschloss ich diesen Weg im Frühjahr 2022 zu gehen.
Ende März 2022 ging ich diesen schönen Weg. Der Weg beginnt an der Algarve in Vila Real de San Antonio und verläuft durch den Osten Portugals bis ins ca. 1000 km entfernte spanische Orense. Dort geht es weiter auf der Via del La Plate Sanabres bis nach Santiago.
2023 bin ich den Camino Portugues da Costa / Camino Espiritual gegangen. Mein 500 km langer Weg begann in Coimbra und verlief über Porto - Vigo - Pontevedra und weiter nach Santiago de Compostela.
2024 bin ich den Camino Routa de la Lana (Wollweg) von Valencia nach Burgos gegangen. Dieser Weg war 696 km lang. Es war ein sehr einsamer Weg. Dieser Weg wurde erst 1999 an das Wegnetz der Jakobswege angeschlossen und wurde bis Ende 2002 teilweise ausgeschildert. Die Ruta de la Lana ist ein unbekannter Weg, aber von unbeschreiblicher Schönheit und mit einer historischen Tradition seit dem 15. Jahrhundert.
Meine Wege in Deutschland
In Deutschland bin ich neben meinen unendlichen Trainingskilometern auch 300 km auf der Via Jutlandica (2011) gegangen. Dieser Jakobsweg führt von der Dänischen Grenze zunächst bis nach Schleswig. Ab hier gibt es zwei Alternativen: einmal über Kiel nach Lübeck - einem im Mittelalter wichtigen Sammelpunkt für Pilger - oder über Rendsburg, Glückstadt und Stade nach Hamburg. Diese beiden Routen münden in die Via Baltica, die über Osnabrück, Köln und Trier nach Santiago de Compostela führt. Dieses beiden Routen bin ich 2011 bis Lübeck und auch bis Hamburg gegangen.
Da ich im Jahr 2020 aufgrund der Corona Pandemie nicht in Spanien pilgern konnte, bin ich im September den Mosel Camino von Koblenz nach Trier (183 km) gepilgert. Der Weg ist anspruchsvoll, überaus abwechselungsreich und landschaftlich außerordentlich reizvoll.
Ich liebe es, sehr lange Etappen zu gehen. Oft laufe ich 40 bis 50 km, manchmal auch zwischen 50 und 70 km pro Tag. Die längste Strecke, die ich jemals an einem Tag (von Sonnenaufgang bis eine Stunde nach Sonnenuntergang) gepilgert bin, waren 78 Kilometer.
24 Stunden Märsche
Mit 63 Jahren bin ich angefangen 100 km/24h Märsche zu marschieren
Neben den Caminos habe ich auch an einigen Langstrecken-Events (100 km/ 24 Stunden) in Deutschland, den Niederlanden, Luxemburg und Belgien teilgenommen.
Im April 2017 bin ich den Megamarsch in Hamburg gegangen. Diese 100 km konnte ich nach 19:30 Stunden als Finisher beenden. Ich erreichte als zehnter das Ziel.
Auch am größten Marsch der Welt (Vierdaagse von Niemwegen, NL), mit nahezu 46.000 Teilnehmern habe ich 2017 teilgenommen. Die 200 km Strecke (4x 50 km) absolvierte ich in 32 Stunden (ca. 4x 8 Std. reine Geh-Zeit).
Im April 2018 nahm ich erneut am Megamarsch in Hamburg teil. Ich erreichte das Ziel als siebenter nach 19:15 Stunden.
Ende August 2018 habe ich am ersten Europäischen "All You Can Walk in 24/h" Marsch in Luxemburg teilgenommen. Hier wurde die Distanz gemessen, die man in 24 Stunden zurückgelegt hat. Ich konnte 124 km marschieren, jedoch hatte ich mich verlaufen und so wurden nur 119 km gewertet. Hier bei stieß ich das Erste Mal an meine Leistungsgrenze.
Ende Oktober 2018 erfolgte die Teilnahme am Megamarsch "Spezial" auf Sylt. Spezial deshalb, weil dieser Marsch etwas schwieriger war (viel über Sand, Herbststurm , sehr lange Zeit im dunkeln, wenig Beleuchtung usw.). Die Teilnehmerzahl war auf 333 begrenzt, es konnten nur Finisher teilnehmen, also man musste mindestens schon einmal einen 100 km Megamarsch in 24 Std. erfolgreich beendet haben. Diesen Marsch konnte ich nach 18:15 Stunden beenden. Vor mir hatten 15 Teilnehmer das Ziel erreicht.
Im April 2019 nahm ich zum dritten Mal am Megamarsch in Hamburg teil. Dieser Marsch wird immer größer, am Start waren 4500 Teilnehmer in neun Startgruppen. 1019 (23%) Teilnehmer erreichten das Ziel. Ich und noch 12 weitere Teilnehmer wurden Lokalmatadore, dh. drei Teilnahmen, dreimal gefinished. Ich erreichte das Ziel nach 19:15 Std.
Weiterhin nahm ich im August 2019 am Dodentocht (100 km Todesmarsch, in Belgien mit 13.000 Teilnehmern) teil. Hier erreichte ich das Ziel nach 17:33 Std. So schnell war ich bei einem 100 km Marsch noch nie zuvor.
Meine Medaillen ( 100 km Märsche) 2017 bis 2019
Ein wenig Statistik
Meine Schuhe seit 2009
Zur Navigation bzw. zur Trackaufzeichnung benutze
ich die App Oruxmaps
Hunde auf dem Jakobsweg
Ich wurde schon oft gefragt, wie es mit freilaufenden bzw. wilden Hunden auf meinen Jakobswegen ausgesehen hat. Daraufhin habe ich meine Bilder durchgeschaut und die Bilder von größeren freilaufenden Hunden auf meinen Wegen herausgesucht. Ich habe keinerlei Angst vor Hunden. So war es für mich auch nie ein Problem. Meistens (über 95%) haben die Hunde nur gebellt, hin und wieder wurden mal die Zähne gezeigt. Ich schaue die Hunde nicht an, bleibe auch mal stehen und spreche ganz ruhig mit den Tieren um sie zu beruhigen.
Aber an drei Vorfälle erinnere ich mich doch noch oft. Zweimal waren es Schäferhunde. Sie wollten mich nicht vorbei lassen. Ich habe meine Stöcke eingesetzt und auch so getan als wenn ich einen Stein werfe, aber es wurde noch schlimmer. Ich musste längere Zeit stehenbleiben bis die Hunde sich beruhigten. Dann ging ich vorsichtig weiter. Aber bei dem einen Vorfall kam der Hund hinterher. Als ich mich umdrehte, setzte er gerade zum Sprung an. Ich war geschockt, sprang zur Seite und konnte den Hund mit meinen Stöcken abwehren. Dann lief er zum Glück davon.
Der dritte Vorfall ereignete sich 2019 auf dem Camino San Salvador in den Bergen von Leon. Auf einer Bergwiese war eine Schafherde, die von zwei sehr großen Hütehunden (Mastin Espanol) bewacht wurde. Diese Hunde sind normalerweise gutmütig aber auch hart und rücksichtslos in der Verteidigung (hatte ich gelesen). Leider ging der Camino nahe an der Herde vorbei. Schon als sie mich in der Ferne sahen, bellten sie sehr agressiv. Als ich nah an die Herde heran kam, kamen die Hunde auf mich zu und fletschten ihre Zähne begleitet von angsteinflössenden Bellen. Ich versuchte weiter zu gehen, aber das machte die Hunde noch wütender. Ich musste stehenbleiben, da sie direkt vor mir standen. Ich bewegte mich nicht und sah dann, dass der Schäfer zum Glück auch da war. Es dauerte eine ganze Zeit bis er mich befreite. Ich hatte starke Herzklopfen, was wäre gewesen wenn der Schäfer nicht in der Nähe gewesen wäre.
9
Ich kann aber sagen, dass Hunde kein großes Problem auf den Wegen darstellen. Wenn man bedenkt, dass ich über 12.000 km auf Jakobswegen unterwegs war und nur drei Mal ernsthaft von Hunden bedroht wurde, ist das Risiko doch eher gering.
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